Schätze auf den Streuobstwiesen

Berner Rosenapfel, Jakob Fischer und Co. – Erhaltenswerte Sortenvielfalt

Auf den Streuobstwiesen duftet es nach reifem Obst – es ist Herbst und damit Erntezeit. Äpfel, Birnen und Co. wollen geerntet, verkostet und verarbeitet werden. Die Vielfalt an unterschiedlichen Sorten auf den Streuobstwiesen ist dabei enorm. Hier finden sich Äpfel mit wohlklingendem Namen wie „Schöner von Herrnhut“, „Rheinischer Bohnapfel“, „Berner Rosenapfel“ oder „Krügers Dickstiel“. Man geht davon aus, dass auf den Streuobstwiesen in Deutschland über 2000 Apfelsorten und 800 Birnensorten vorkommen.

Diese Vielfalt an Sorten ist entstanden, da Obst speziell für unterschiedliche Verwendungszwecke gezüchtet wurde, z.B. zum Frischverzehr, als Dörr- oder Mostobst. Zudem wurden Äpfel so gezüchtet und verbreitet, dass sie perfekt an die jeweiligen regionalen Standortbedingungen angepasst waren.

Schauen wir uns heute in den Supermärkten um, ist wenig von der früheren Sortenvielfalt übriggeblieben. Ein Großteil der ursprünglich vorhandenen Sorten ist aufgrund vermarktungstechnischer Mängel wie schwankende Erträge, Anfälligkeit gegenüber Krankheiten sowie optischer und geschmacklicher Defizite selten geworden und wird im Erwerbsobstbau nicht mehr genutzt. Dort machen lediglich 20 verschiedene Apfelsorten rund 80% der Apfelbäume aus.

Streuobstwiesen stellen daher ein enormes Genreservoir dar. Die alten Sorten können in Zukunft wieder Grundlage für weitere Züchtungen sein. Gerade in Zeiten des Klimawandels können Sorten relevant werden, die vielleicht besser mit Trockenheit und steigenden Temperaturen zurechtkommen. Auch bei neu auftretenden Krankheiten ist es hilfreich, wenn auf eine große genetische Vielfalt zurückgriffen werden kann, um möglichst widerstandsfähige Sorten zu züchten.

Ein weiterer Vorteil alter Apfelsorten ist, dass sie oft mehr gesunde Inhaltsstoffe enthalten. Bei neueren Züchtungen wurde meist versucht, den Gehalt an Polyphenolen zu reduzieren. Dabei handelt es sich um sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken, aber z.B. auch für die Braunfärbung des Fruchtfleisches beim Anschneiden des Apfels verantwortlich sind. Solche Erscheinungen sind beim „Supermarktapfel“ nicht erwünscht und wurden daher möglichst reduziert.

Es ist also sinnvoll, sich mit dem Erhalt alter Sorten zu beschäftigen. Das Naturschutzzentrum, der Naturparkverein und die BODEG organisieren jeden Herbst eine gemeinsame Sammelbestellung für Obsthochstämme. In diesem Jahr sind dabei wieder über 300 Bäume 80 verschiedener Obstsorten bestellt worden. Demnächst tragen diese Bäume in der Region zum Erhalt der Streuobstwiesen und Sortenvielfalt bei.